Eintracht Frankfurt im Europapokal: Vier Jahre nach Sevilla
Vom 5:4-Elfmeterschießen 2022 bis zur aktuellen Aufstellung unter Dino Toppmöller. Eine Bilanz der internationalen Auftritte und der Vereinsentwicklung.
Vier Jahre und dreizehn Tage nach dem 18. Mai 2022 lohnt sich eine nüchterne Bilanz dessen, was die Frankfurter Eintracht aus dem UEFA-Europa-League-Sieg in Sevilla gemacht hat. Der Abend im Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán, an dem die Mannschaft unter Trainer Oliver Glasner die Glasgow Rangers nach einem 1:1 nach Verlängerung mit 5:4 im Elfmeterschießen bezwungen hatte, war für den 1899 gegründeten Verein das zweite internationale Endspiel mit Titelgewinn nach dem UEFA-Pokal-Sieg 1980 unter Branko Zebec. Vier Jahre später lässt sich fragen, was an der internationalen Linie geblieben ist, wie sich der Kader verändert hat und in welchem Verhältnis die heutige Mannschaft zur eigenen Vereinsgeschichte steht.
Die Linie seit Sevilla
Auf den Titel 2022 folgte in der Saison 2022/23 die Champions-League-Teilnahme, in der die Eintracht in der Gruppenphase Marseille, Sporting Lissabon und Tottenham Hotspur als Gegner hatte und ins Achtelfinale einzog. Die Saison 2023/24 brachte die Conference-League-Qualifikation, danach die Rückkehr in die Europa League. Die Folge von Trainerwechseln – Oliver Glasner verließ den Verein nach der Saison 2022/23, Dino Toppmöller übernahm zur Saison 2023/24 – verlief, gemessen an vergleichbaren Bundesligisten, ohne sportlichen Bruch. Toppmöller, vorher Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei RB Leipzig, dem FC Bayern und der Nationalmannschaft, hat die Spielidee der Eintracht in Teilen fortgeführt, in anderen Bereichen – etwa der Pressing-Höhe und der Ballbesitz-Verteilung – neu akzentuiert.
Der aktuelle Kader
Die Mannschaft der Saison 2025/26 ist durch eine systematische Verjüngung gekennzeichnet. In der Innenverteidigung hat Jonathan Tah, der nach Stationen in Hamburg, Leverkusen und München zur Eintracht zurückgekehrt ist, eine zentrale Rolle übernommen; im Sturm setzt der Verein auf den ägyptischen Nationalspieler Omar Marmoush, dessen Treffsicherheit in den vergangenen Spielzeiten konstant geblieben ist. Im Mittelfeld bildet Mario Götze, seit 2022 bei der Eintracht und nach mehreren ablaufenden Vertragsverlängerungen weiterhin im Kader, das Bindeglied zwischen Abwehr und Sturm. Der Kaderwert hat sich, nach den Daten des Branchendiensts Transfermarkt, im Sommer 2025 auf einen Wert in der oberen Hälfte der Bundesliga eingependelt. Die finanzielle Lage des Vereins, der seit 2014 als Eintracht Frankfurt Fußball AG firmiert, gilt als stabil.
Eintracht-Stadion am Riederwald und Deutsche Bank Park
Die historische Spielstätte der Eintracht, das Stadion am Riederwald in Frankfurt-Bornheim, ist 1925 eingeweiht worden und dient heute als Trainingsgelände und als Spielstätte der zweiten Mannschaft sowie der U19 in der A-Junioren-Bundesliga. Die erste Mannschaft trägt ihre Heimspiele im Deutsche Bank Park aus, der bis 2005 als Waldstadion bekannt war und in seiner heutigen Form für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 umgebaut wurde. Das Stadion fasst 51.500 Zuschauer:innen in den Bundesligaspielen und in Europapokal-Begegnungen, in nationalen Spielen leicht abweichend. Die Auslastung lag im Jahresdurchschnitt 2024/25 bei über 98 Prozent. Der Antrag des Vereins auf einen Ausbau des Stadions, der im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2024 Thema war, wird derzeit zwischen Verein, Stadt Frankfurt am Main und dem Land Hessen verhandelt.
Die Linien der Vereinsgeschichte
Eine Bilanz der internationalen Auftritte führt zwingend in die Vereinsgeschichte zurück. Die Eintracht war 1959 Deutscher Meister unter Trainer Paul Oßwald, in einer Mannschaft, in der Alfred Pfaff und der spätere DFB-Pokalsieger 1981er Jahre und Eintracht-Legende Bernd Nickel gespielt haben. Im selben Jahr scheiterte die Eintracht im Finale des Europapokals der Landesmeister in Glasgow gegen Real Madrid (3:7) – eine Niederlage, die in der Vereinserzählung bis heute präsent ist. Der UEFA-Pokal-Sieg 1980 gegen Borussia Mönchengladbach, der DFB-Pokal-Sieg 1981 und der DFB-Pokal-Sieg 2018 gegen den FC Bayern München bilden die weiteren Eckpunkte einer Titelgeschichte, in die der Erfolg von Sevilla 2022 sich eingeordnet hat. Die Mannschaft des Jahres 2026 spielt vor dieser Geschichtskulisse, ohne sich von ihr einnehmen zu lassen.
Was bleibt
Vier Jahre nach Sevilla hat die Eintracht eine Position erreicht, die sich am besten als konsolidierte Mitspielerrolle im europäischen Wettbewerb beschreiben lässt. Ein zweiter Titel auf europäischer Ebene ist nicht in Sicht, aber auch nicht ausgeschlossen. Die kommende Spielzeit wird zeigen, ob die Linie unter Dino Toppmöller die Mannschaft erneut in die Endrunden der Europa League oder der Champions League führt. Was 2022 in Sevilla begonnen wurde, ist nicht abgeschlossen – aber es hat dem Verein eine Selbstverständlichkeit im internationalen Geschäft gegeben, die er seit 1980 nicht in dieser Form besessen hatte.